Good Leaver, Bad Leaver: Was beim Ausscheiden mit deinen Anteilen passiert

Der Vesting-Schedule bestimmt, wie viele Anteile dir gehören. Die Leaver-Klauseln bestimmen, was du davon behältst, wenn du gehst – und zu welchem Preis. Genau hier stecken die teuersten Fallen im Beteiligungsvertrag.

Aktualisiert: Juli 2026 · Rechtslage Österreich

Was Leaver-Klauseln regeln

Beteiligungsverträge müssen eine unangenehme Frage beantworten: Was passiert mit den Anteilen eines Mitarbeiters, der das Unternehmen verlässt – freiwillig, unfreiwillig oder im Streit? Ohne Regelung säße nach ein paar Jahren ein Dutzend Ex-Mitarbeiter am Cap Table, die nichts mehr beitragen, aber am Exit mitverdienen. Leaver-Klauseln lösen das, indem sie Rückkauf- oder Verfallsrechte an die Art des Ausscheidens knüpfen.

Für dich als Mitarbeiter heißt das: Der Wert deiner Beteiligung hängt nicht nur vom Vesting-Stand ab, sondern vor allem davon, in welche Leaver-Kategorie dein Abgang fällt.

Good Leaver vs. Bad Leaver

Die Verträge unterscheiden typischerweise zwei (manchmal drei) Kategorien:

KategorieTypische TriggerÜbliche Folge
Good LeaverKündigung durch den Arbeitgeber ohne Grund, einvernehmliche Auflösung, Pensionierung, dauerhafte Arbeitsunfähigkeit, TodGevestete Anteile bleiben oder werden zum Verkehrswert abgelöst; ungevestete verfallen
Bad LeaverBerechtigte Entlassung, grobe Pflichtverletzung, Wettbewerbsverstoß, unberechtigter vorzeitiger AustrittRückkauf aller Anteile (auch gevesteter!) zum Nominale oder Buchwert – wirtschaftlich meist Totalverlust
Grey Leaver (optional)Eigenkündigung ohne wichtigen GrundZwischenlösung, z. B. Verkehrswert mit Abschlag oder gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit
Rote Flagge: Manche Verträge stufen jede Eigenkündigung als Bad-Leaver-Fall ein. Damit wird deine Beteiligung faktisch zur goldenen Fessel: Du kannst jahrelang vesten und verlierst trotzdem alles, wenn du irgendwann weiterziehst. Verhandle mindestens eine Grey-Leaver-Regelung für die Eigenkündigung.

Gevestete vs. ungevestete Anteile

Unstrittig ist fast immer: Ungevestete Anteile verfallen beim Ausscheiden – das ist der Sinn des Vestings mit Cliff. Entscheidend ist, was mit den gevesteten Anteilen passiert:

Der Rückkaufpreis: Verkehrswert oder Nominale?

Ein Zahlenbeispiel macht den Unterschied greifbar: Du hältst nach drei Jahren 0,5 % an einem Start-up, das in der letzten Runde mit 20 Mio. € bewertet wurde – rechnerisch 100.000 €. Scheidest du als Good Leaver mit Verkehrswert-Ablöse aus, bekommst du (abzüglich eines etwaigen Minderheitsabschlags) einen relevanten Betrag. Als Bad Leaver mit Nominale-Rückkauf erhältst du bei 1-Cent-Anteilen: ein paar Euro. Gleiche Anteile, gleicher Vesting-Stand – Unterschied nahe 100.000 €.

Prüfe außerdem, wer zurückkaufen darf (Gesellschaft, Gründer, Investoren), wann (Frist nach Ausscheiden) und ob der Rückkauf eine Pflicht oder nur ein Recht der Gesellschaft ist – im zweiten Fall kannst du im Extremfall auf illiquiden Anteilen sitzen bleiben, ohne je Geld zu sehen.

Die § 67a-Steuerfalle beim Ausscheiden

Bei der Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung nach § 67a EStG hat das Ausscheiden eine oft übersehene Konsequenz: Die Beendigung des Dienstverhältnisses ist ein Zuflusstatbestand (§ 67a Abs 3 Z 2 EStG). Das heißt: Der geldwerte Vorteil wird in diesem Moment steuerpflichtig – bemessen am gemeinen Wert der Anteile –, auch wenn du nichts verkauft hast und kein Geld fließt. Das Dry-Income-Problem, das § 67a eigentlich lösen soll, kehrt beim Jobwechsel also durch die Hintertür zurück.

Zwei Entschärfungen sind wichtig:

Checkliste vor der Unterschrift

  1. Ist die Eigenkündigung Good, Grey oder Bad Leaver?
  2. Was passiert mit gevesteten Anteilen in jedem Leaver-Fall – behalten, Verkehrswert, Nominale?
  3. Wie wird der Verkehrswert ermittelt und wer trägt die Kosten der Bewertung?
  4. Ist der Rückkauf ein Recht oder eine Pflicht der Gesellschaft (Zahlungsanspruch für dich)?
  5. Gibt es eine Zahlungsfrist und Verzinsung für die Ablöse?
  6. Bei § 67a: Ist die FlexCo-Aufschub-Erklärung des Arbeitgebers vorgesehen?
  7. Verkürzen sich Bad-Leaver-Folgen mit der Betriebszugehörigkeit (Staffelung)?

Diese Punkte gehören neben Anteilshöhe und Vesting zu den 10 Fragen, die du vor jeder Unterschrift stellen solltest.

Häufige Fragen

Behalte ich meine gevesteten Anteile, wenn ich kündige?
Das regelt dein Vertrag. Als Good Leaver behältst du sie meist oder bekommst den Verkehrswert; als Bad Leaver sehen viele Verträge den Rückkauf auch gevesteter Anteile zum Nominale vor. Entscheidend ist, wie die Eigenkündigung kategorisiert ist.
Was macht mich zum Bad Leaver?
Typisch: berechtigte Entlassung, grobe Pflichtverletzung, Wettbewerbsverstoß, unberechtigter vorzeitiger Austritt. Verhandelbar – und verhandlungswürdig – ist vor allem die Einstufung der normalen Eigenkündigung.
Löst das Ausscheiden bei § 67a-Beteiligungen Steuer aus?
Grundsätzlich ja: Die Beendigung des Dienstverhältnisses ist ein Zuflusstatbestand – Steuer auf den gemeinen Wert, ohne dass Geld fließt. Ausnahme: FlexCo-Unternehmenswert-Anteile mit Arbeitgeber-Erklärung, dann Aufschub bis zur Veräußerung.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Rechtslage: Österreich, Stand Juli 2026.