Cliff beim Vesting: Bedeutung, Beispiel & was beim Jobwechsel passiert

Vor dem Cliff vestet nichts, danach 25 % auf einen Schlag. Warum das so ist, was zwei Monate Unterschied kosten können und worauf du beim Vertrag achten solltest.

Aktualisiert: Juli 2026 · Rechtslage Österreich

Was ist der Cliff?

Der Cliff (englisch für „Klippe“) ist die Sperrfrist am Anfang eines Vesting-Schedules: Vor dem Cliff vestet gar nichts. Endet dein Dienstverhältnis in dieser Zeit, verfallen sämtliche zugesagten Anteile – du gehst mit null.

Mit Erreichen des Cliffs vestet dafür der gesamte bis dahin aufgelaufene Teil auf einen Schlag. Beim Marktstandard – 4 Jahre Vesting, 12 Monate Cliff – sind das exakt 25 %. Danach läuft das Vesting normal weiter, meist monatlich. Der Name kommt vom Kurvenverlauf: Die Vesting-Timeline ist elf Monate lang eine flache Linie bei null und springt dann senkrecht nach oben – wie eine Klippe.

Wichtig: Der Cliff verkürzt deinen Grant nicht, er verschiebt ihn nur. Wer bleibt, bekommt am Ende genau gleich viel; wer früh geht, bekommt nichts. Der Cliff verteilt also nicht Anteile um, sondern Risiko.

Warum sind 12 Monate der Standard?

Der 12-Monats-Cliff hat sich international durchgesetzt, weil er für beide Seiten einen nachvollziehbaren Zweck erfüllt:

Einordnung: 12 Monate Cliff sind fair und üblich. 6 Monate sind mitarbeiterfreundlich und kommen bei Senior-Hires vor. Bei 18–24 Monaten solltest du nachfragen – und nachverhandeln.

Rechenbeispiel: Ausscheiden in Monat 11 vs. 13

Angenommen, dein Vertrag sieht 10.000 Anteile vor, 4 Jahre Vesting, 12 Monate Cliff, monatliche Frequenz. Der Grant ist zum Ausscheidenszeitpunkt insgesamt 80.000 € wert (8 € je Anteil):

AusscheidenGevestetAnteileWert
Monat 11 (vor dem Cliff)0,0 %00,00 €
Monat 12 (Cliff erreicht)25,0 %2.50020.000,00 €
Monat 1327,1 %2.70821.666,67 €

Der Unterschied zwischen Monat 11 und Monat 13 beträgt zwei Monate – und 21.666,67 €. Wer in Monat 11 geht, verliert alles; wer den Cliff erreicht, hat sofort 2.500 Anteile sicher, und jeder weitere Monat bringt rund 208 Anteile (10.000 ÷ 48 = 208,33) bzw. 1.666,67 € dazu.

Eigene Zahlen statt Beispiel: Der Vesting-Rechner zeigt dir für jeden beliebigen Stichtag, wie viel gevestet ist – ideal für „Was wäre, wenn ich zum Datum X gehe?“.

Jobwechsel geplant? Das Timing zählt

Wenn du kurz vor dem Cliff über einen Wechsel nachdenkst, prüfe zwei Dinge im Vertrag:

Und rein wirtschaftlich: Ein neues Angebot sollte den Wert kompensieren, den du durch den Wechsel liegen lässt. Vergleiche Angebote inklusive Beteiligung mit dem Angebots-Rechner.

Cliff verhandeln: deine Hebel

Der Cliff selbst ist selten komplett verhandelbar – diese Punkte sind es aber sehr wohl:

Cliff bei Foundern

Auch Gründer haben gegenüber ihren Mitgründern und Investoren meist einen Cliff – im Rahmen des Reverse Vestings: Scheidet ein Founder im ersten Jahr aus, kann das Unternehmen alle seine Anteile zurückkaufen. Das schützt das Gründerteam vor dem Szenario, dass jemand nach sechs Monaten aussteigt und trotzdem 25 % oder mehr der Firma behält.

Zwei Besonderheiten: Erstens verlangen Investoren beim Einstieg oft einen Neustart oder eine Verlängerung des Founder-Vestings – bereits geleistete Jahre sollten dabei angerechnet werden. Zweitens vereinbaren Gründerteams den Cliff idealerweise schon vor der ersten Finanzierungsrunde untereinander: Der häufigste Streitfall in frühen Start-ups ist ein ausscheidender Mitgründer mit vollem Anteilspaket.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich einen Tag vor dem Cliff kündige?
Dann verfallen in praktisch allen Verträgen sämtliche Anteile – genau das ist der Zweck des Cliffs. Maßgeblich ist meist das Ende des Dienstverhältnisses, nicht der Tag der Kündigungserklärung. Prüfe vor einer Kündigung, welches Datum dein Vertrag nennt, und rechne den Stichtag im Vesting-Rechner nach.
Vestet nach dem Cliff rückwirkend etwas?
Ja. Mit Erreichen des Cliffs vestet der gesamte bis dahin aufgelaufene Teil auf einen Schlag – bei 4 Jahren Vesting und 12 Monaten Cliff also genau 25 %. Der Cliff verschiebt das Vesting nur, er verkürzt den Grant nicht.
Ist ein Cliff von 24 Monaten normal?
Nein. Der Marktstandard für Mitarbeiter sind 12 Monate. 18 oder 24 Monate verschieben das Risiko einseitig auf dich und sind ein klarer Verhandlungspunkt – üblich sind lange Cliffs allenfalls bei Foundern gegenüber Investoren.
Gilt der Cliff auch bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber?
Grundsätzlich ja: Endet das Dienstverhältnis vor dem Cliff, verfallen die Anteile unabhängig davon, wer gekündigt hat. Manche Verträge sehen für eine Arbeitgeberkündigung ohne wichtigen Grund Ausnahmen vor – das regeln die Good-/Bad-Leaver-Klauseln.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Rechtslage: Österreich, Stand Juli 2026.